Studium Geisteswissenschaft – und dann?
Immer noch haben Geisteswissenschaften den Ruf eines Taxistudiums. Zu Unrecht. Klar, Geisteswissenschaftler können nicht durch neue Erfindungen auftrumpfen, die mit Superlativen umschrieben werden können. Geisteswissenschaftler sind nun mal eben eher Theoretiker – kein Geisteswissenschaftler wird wegen eines neuen Hybridmotors o.ä. in der Zeitung stehen, es sei denn, er oder sie hatte als Zweitfach etwas Naturwissenschaftliches.
Tendenziell „erklären“ Naturwissenschaften Natur und Technik und Geisteswissenschaften versuchen, ihren Forschungsgegenstand zu „verstehen“. Geisteswissenschaftler gehen ein Thema ganz anders an als ein Akademiker mit einem praktischeren Hintergrund – was aber auf den ersten Blick wie ein deutlicher Nachteil erscheint, ist auf den zweiten Blick gar nicht mal so verkehrt. Während ein Studium der Medizin oder des Maschinenbaus schon sehr früh festlegt, wohin es später gehen soll, ist dies bei den Geisteswissenschaften offener. So wissen denn viele, die ihr Studium beginnen, auch ziemlich lange nicht, was sie überhaupt mal machen wollen, wenn es nicht gerade der Beruf des Lehrers sein soll. Allerdings werden Geisteswissenschaftler in Stellenanzeigen so gut wie nie explizit gesucht, so dass für viele früher oder später doch der Punkt kommt, an dem ein Praktikum nach dem anderen absolviert oder gar das Studium abgebrochen wird. Die mangelnde Praxisnähe ist also eher Fluch denn Segen. Dafür setzt ein Studium der Geschichte, Germanistik o.ä. viel Eigenständigkeit und Selbstorganisation voraus. Dadurch, dass bei den Geisteswissenschaften „anything goes“ gilt, ist das Studium relativ frei strukturierbar; selbst die verschulten Studienabschlüsse Bachelor und Master änderten daran nicht sehr viel, denn seinen Schwerpunkt setzt man sich nach wie vor selbst. Gegenüber des alten Magisterabschlusses hat man zwar einige Freiräume eingebüßt, aber im Kern bleibt ein geisteswissenschaftliches Studium wesentlich flexibler als ein Studium der Physik.
Man hat also Anglistik, Kunstgeschichte oder Politik studiert und man hatte die Möglichkeit, recht selbstbestimmt zu wählen; wo ist der Vorteil auf dem Arbeitsmarkt? Wie gesagt, es gibt nicht mehr wirklich viele Angebote, die speziell auf Geisteswissenschaftler ausgerichtet sind, aber das Tätigkeitsfeld erweitert sich dafür ständig. Viele Unternehmen zeigen sich mittlerweile nämlich gegenüber Historikern &Co sehr aufgeschlossen, denn sie schätzen die soziale Kompetenz, die kommunikativen Fähigkeiten, die Kreativität, das selbstständige Arbeiten, die Übernahme von Verantwortung und die Fähigkeit, sich auf veränderte Umstände einzustellen. Insbesondere an der Schnittstelle zwischen Unternehmen und Öffentlichkeit bzw. Kunden werden Geisteswissenschaftler eingesetzt – bspw. in den Bereichen Marketing, PR, Kundenbetreuung und Personalentwicklung. Das Portfolio der Berufsfelder der Geisteswissenschaften ist breit gefächert und im Gegensatz zu anderen Studierenden bekommen sie kein fertiges Berufsbild vor die Nase gesetzt; daher ist die weitere Qualifikation ein wichtiger Aspekt, auch im Hinblick auf den Arbeitgeber. Wer als Sinologe bspw. mit einem Zusatzkurs in BWL aufwarten kann, punktet gut. Ansonsten sind auch Praktika sinnvoll, die in etwa in die Richtung gehen, in die man später mal möchte.
Generell lässt sich sagen: Wer früh an seinem Profil in dem relativ freien Berufsbild des Geisteswissenschaftler feilt, hat gute Aussichten auf ein Leben abseits von Arbeitsagenturen und dergleichen. Lasst euch also nicht durch irgendwelche Unkenrufe à là „Studium für Taxifahrer verunsichern; ihr und auch ein Großteil der Arbeitgeber wisst, was ihr drauf habt!














es lebe das mba… das einzig wahre studium das wirklich auch einiges an persönlichkeit gibt…
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