Die Krux mit dem Arbeitszeugnis

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Zu jeder Bewerbung gehört ein Arbeitszeugnis, das etwas über die Leistungen des Bewerbers bei seinen vorherigen Arbeitgebern aussagt. Aus diesem Arbeitszeugnis kann der neue Arbeitgeber wichtige Schlüsse ziehen, ob der Bewerber für die Stelle geeignet ist und was er von ihm generell erwarten kann. Auch für ein Praktikum bekommt man bereits ein Zeugnis. Das Praktikumszeugnis entspricht einem knappen qualifizierten Zeugnis mit Angaben über den Arbeitgeber, die Tätigkeit, die Beurteilung der erbrachten Leistung sowie des Sozialverhaltens. Fragt bitte immer nach einem solchen Zeugnis nach, denn wenn es bei der nächsten Bewerbung fehlt, könnte der Personaler davon ausgehen, dass die erbrachte Leistung so schlecht war, dass man es besser ganz unter den Tisch fallen ließ.

In einem Arbeits-oder Praktikumszeugnis darf sich der Arbeitgeber nur wohlwollend über den ehemaligen Arbeitnehmer/Praktikanten äußern, um den weiteren beruflichen Werdegang nicht zu gefährden. Was aber bedeutet wohlwollend?! Und warum hat dann nicht jeder ein super Zeugnis? Nun, wohlwollend meint, dass der Zeugnisaussteller zwar zur Wahrheit verpflichtet ist, aber nicht jede Schwäche eines Beurteilten auf die Goldwaage legen und das ein oder andere Augen zudrücken sollte. Selbst wenn man des Öfteren etwas falsch gemacht hat und einem nur ein ausreichendes oder mangelhaftes Zeugnis zusteht, so kann der Arbeitgeber, so fern er gewillt ist, vom Beurteilten verursachte Schwierigkeiten unerwähnt lassen. Wohlwollend meint also nicht, dass man alles durch die rosarote Brille betrachten sollte, was der Beurteilte gemacht hat, sondern vielmehr eine höfliche Ausdrucksweise, in der man auch mal etwas unter den Tisch fallen lassen kann.

Dass nicht jeder eine eins mit Sternchen bekommt, das ist selbstverständlich, schließlich sollen Arbeitgeber zwar wohlwollend, aber nicht völlig realitätsfern urteilen. Daraus ergab sich eine „positive Notenskala“, in der die Bewertung über eine Abstufung erfolgt. Lest ihr in eurem Zeugnis also, dass ihr stets eine ausgezeichnete Leistung erbracht habt, dann herzlichen Glückwunsch, denn mehr kann man kaum erwarten. Wird hingegen nur erwähnt, dass ihr nur Motivation und Initiative gezeigt habt, dann bescheinigt dies wohl eher eine ausreichende Leistung. Während innerhalb des Textes kleinere Variationen der Abstufung möglich sind, müsst ihr bei der zusammenfassenden Leistungsbescheinigung genau hingucken – steht da nur, dass ihr die Aufgaben zur Zufriedenheit des Arbeitgebers ausgeführt habt, so ist das gleichbedeutend mit einem ausreichend. Wird hingegen geschrieben, dass ihre alle Aufgaben stets zur vollsten Zufriedenheit ausgeführt habt, dann haltet ihr eine gute Eintrittskarte für den nächsten Job/das nächste Praktikum in der Hand.

Allerdings gibt es natürlich auch Verschlüsselungstechniken, die mancherorts auch als Geheimsprache (nur: wie geheim ist eine Geheimsprache, die jeder kennt?) kursieren. Da wäre zum Einen die Leerstellentaktik, auch das Schweigen im Walde, zu nennen, die dann eintritt, wenn auf eine zu erwartende Aussage verzichtet wird (wenn man bspw. das Sozialverhalten außen vorlässt). Aber auch die Negationstechnik (während doppelte Verneinung im normalen Sprachgebrauch in der Regel die Aussage verstärkt, so wirkt es im Arbeitszeugnis abwertend), die Passivierungstaktik (wenn man selbst nicht der Handelnde im Satz ist, verweist das auf mangelnde Eigeninitiative), die Ausweichtechnik (unwichtiges oder selbstverständliches wie die Pünktlichkeit wird explizit hervorgehoben) und die Widerspruchstaktik (stehen einzelne Aussagen im Widerspruch zueinander, so wird der positive Gesamteindruck aufgehoben) stehen im Reigen der Verschlüsselungsmethoden. Wenn ihr meint, dass das Zeugnis nicht eurer Leistung gerecht wird, dann fragt nochmal nach einer Korrektur. Geht aber vorbereitet in das Gespräch und legt dar, inwieweit ihr eure Leistung erbracht habt, ohne dass sie im Zeugnis honoriert wurden.

Also denkt daran: Sprecht den Arbeitgeber auf ein Zeugnis an, es steht euch zu! In der heutigen Zeit ist ein gutes Arbeitszeugnis nämlich wertvoll bei der Suche eines Jobs (außer, ihr übernehmt bald eine Stelle, die ein Jahreseinkommen von über 200.000€ einbringt – ab dieser Gehaltsklasse haben Zeugnisse nämlich ihre Bedeutung weitestgehend verloren), da die Arbeitgeber euch anhand dessen schon vorab besser einschätzen können. Und außerdem ist es einfach ein tolles Gefühl, wenn man nach x-Wochen als Praktikant am Ende den Nachweis in der Hand hält, dass man etwas geschafft hat.

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