Auslandsstudium mit Kind – Möglichkeiten ausschöpfen und Komplikationen vermeiden

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Wer bereits das Glück hat, eine fürsorgliche Mutter oder ein stolzer Vater zu sein, weiß: Ein Kind ist mit einem immens hohen Aufwand an Zeit und Geld verbunden. Wer zusätzlich zu seinem Job als verantwortungsbewusstes Elternteil noch Student ist und seine persönliche Karriere verfolgt, weiß es vielleicht noch besser.

© Rafael Ben-Ari - Fotolia.com

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Ohne Zweifel ist ein Studium mit einem Kind an der Hand eine große Herausforderung – trotzdem zeigen etliche Studenten, die im jungen Alter Mutter oder Vater geworden sind, dass diese Herausforderung keineswegs unmöglich ist und man seine berufliche Laufbahn auch mit einem Kind verfolgen kann.

Selbst die einmalige Chance auf ein spannendes und abenteuerliches Auslandssemester muss man sich nicht entgehen lassen. Mit dem Kind im Ausland zu studieren mag zwar für viele nach ungeheuerlichem Stress und hohen Ausgaben klingen. Doch zu meistern ist dieses Abenteuer allemal. Wie dies am besten funktioniert, welche Möglichkeiten man in Anspruch nehmen kann und auf was für Schwierigkeiten man sich gefasst machen sollte, wird im Folgenden näher dargestellt.

Aller Anfang ist schwer

Wer sich für den Schritt beschließt, und mit der Planung eines Auslandssemesters mit einem Kind beginnt, weiß anfangs bestimmt gar nicht, wo er anfangen soll. Fragen über Fragen schießen einem durch den Kopf: „Welches Land ist das richtige für mich und mein Kind?“ „Welche speziellen Betreuungsangebote gibt es für mein Kind?“ „Kann ich finanzielle Unterstützung annehmen und wenn ja, wer bietet diese an?“ „Gibt es Ansprechpartner vor Ort, an die ich mich wenden kann?“ Antworten auf diese Fragen bleiben zunächst aus.

Gerade deshalb bedarf es einer sehr genauen und vorausschauenden Planung. Denn nicht nur in Sachen Flugticket und Unterkunft muss man sein Kind mit einplanen – auch wenn es um Versicherungen, Verpflegung, eine Betreuungsperson, das Budget und die Freizeitgestaltung geht, muss für das Kind im Ausland gesorgt sein.

Bei wem Unsicherheit aufkommt, weil er denkt, er können mit dem großen Aufwand nicht umgehen, sollte sich bewusst machen, dass eine Zeit im Ausland eine einmalige Erfahrung ist – für Studenten wie auch für ihr Kind. Wer mit kleinen alltäglichen Herausforderung auch zuhause klarkommt, wird diese ganz sicher auch in Norwegen, Frankreich oder in den USA mit Bravour meistern.

Etliche junge Mütter und Väter, die während ihres Studiums im Ausland waren sind der perfekte Beleg dafür, dass ein Auslandssemester und ein Kind durchaus vereinbar sind.

Möglichkeiten ausschöpfen

Bei der Planung eines Auslandssemesters gilt es, in jedem Falle alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Zeit im Ausland zu gelungen wie nur möglich zu gestalten. Wichtig hierbei ist vor allem….

© sdecoret - Fotolia.com

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…der richtige Zeitpunkt:

Einen perfekten Zeitpunkt gibt es gewissermaßen nicht, denn jeder muss individuell entscheiden, wann es an der Zeit ist ins Ausland zu gehen. Dies hängt zum einen von dem Studiengang und dem Studienverlauf ab, zum anderen aber auch maßgeblich vom Alter des Kindes.

Für viele hat es sich bisher als geeignet erwiesen, während des Masters ins Ausland zu gehen. Im Master lässt sich die Studienzeit oft flexibler gestalten. Zudem gestaltet sich der Aufenthalt oft einfacher, wenn das Kind bereits 2-3 Jahre alt ist. Man sollte bedenken, dass ein Auslandsstudium oft mit einem höheren Aufwand verbunden ist als das Studium zuhause. Zeitmangel ist jedoch etwas, worunter das Kind nicht leiden sollte. Ein mehrjähriges Kind erleichtert die Lage, da sich der Alltag freier und flexibler gestalten lässt.

…das richtige Land:

Bei der Auswahl des Landes spielen natürlich die eigenen Präferenzen, Interessen, die Partneruniversitäten und die Sprachen eine große Rolle. Nichtsdestotrotz muss man bei der Entscheidung des Studienortes auch das Wohl des Kindes vor Augen haben. Dies gilt in Hinsicht auf den Lebensstandard, die Kinderbetreuung und das soziale Umfeld.

…die richtige Kinderbetreuung:

Wer bereits in der Heimat mit einem Kind an der Seite studiert hat, weiß, dass eine professionelle Kinderbetreuung ein Muss ist. Genau so sieht es auch im Ausland aus. Je nach Land kann die Kinderbetreuung immens stark variieren. In einigen europäischen Ländern wie Frankreich oder Finnland wird auf eine kindergerechte Betreuung und die Vereinbarkeit von Studium und Familie geachtet und Studenten können ihre Kinder somit meist problemlos in vielzähligen Kindergärten oder Ganztagsschulen unterbringen. Übersee, zum Beispiel in Australien oder den USA kann die Kinderbetreuung zwar etwas teurer ausfallen, jedoch wird das Kind hier auch in einem kindergerechten Umfeld sehr umfangreich betreut und versorgt. In Kitas und Kindergärten der USA werden die Kinder mit einem Programm teilweise den ganzen Tag lang sinnvoll betreut, beschäftigt und behütet.

…eine kindergerechte Unterkunft:

Wer die passende Betreuung für sein Kind gefunden hat, muss sich zudem noch um eine geeignete Unterkunft kümmern. Selbstverständlich greifen Studierende oft auf die Möglichkeit von Studentenwohnheimen zurück, da diese immer relativ preiswert sind. Auch mit Kind sollte dies kein Problem darstellen, solange man die Wohnung kindergerecht ausstatten und einrichten kann.Alternativ empfiehlt es sich natürlich, eine bereits eingerichtete Wohnung zu mieten, in der sich sowohl Eltern als auch das Kind wohlfühlen.
Apropos Unterkunft: Wer weiterhin seinen Hauptwohnsitz in Deutschland gemeldet hat, darf in der Regel auch weiterhin Kindergeld beziehen.

…die Abstimmung mit dem Partner:

Wer in der Heimat mit einem Partner zusammenlebt, wird sich ebenfalls die Frage stellen müssen, ob der Partner einen ins Ausland begleitet oder in Deutschland bleibt. Dies ist natürlich größtenteils abhängig von dem Studien/ Beruf des Partners. Jedoch würde dieser sicherlich mit Leichtigkeit ein Praktikum, einen Nebenjob oder eine andere Beschäftigung im Ausland annehmen können. Falls der Partner zuhause bleibt, sollte man sich allerdings darüber Gedanken machen, wie das Kind auf die Abwesenheit reagieren wird.

© Michael Schütze - fotolia.com

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Komplikationen vermeiden

Ganz so einfach und reibungslos mag das Auslandsstudium mit Kind dann aber vielleicht doch nicht verlaufen. Auch wenn man den Aufenthalt perfekt durchplant hat, kann einem immer der ein oder andere Stein in den Weg gelegt werden.

Wie wahrscheinlich ist es, dass ich einen Platz in der ausgewählten Kinderbetreuung bekomme? Was passiert, wenn ich mein Kind gar nicht aus dem Kindergarten in Deutschland nehmen kann? Woher weiß ich, dass meine ausländischen Professoren Rücksicht auf Studierende mit Kindern nehmen und gegebenenfalls auf meine Bedürfnisse eingehen? Und wie kann mein Kind mit einer ungewohnten Umgebung und einer so großen Umstellung umgehen? Habe ich überhaupt genug Zeit und finanzielle Mittel für mein Vorhaben?

Von den kleinen Herausforderung die in einem solchen Alltag vollgepackt mit Studium, Kinderbetreuung, Verpflegung und Familienleben auftreten können, sollte man sich allerdings nicht maßgeblich beeinflussen lassen.

Seine Freizeit gestalten:

Lange Partynächte in Pubs, Clubs und Diskotheken sind tabu. Während andere ausgehen und sich auf ein Bier treffen, wiegt man sein Kind in den Schlaf und fällt danach selbst hundemüde ins Bett. Auch bei Wochenendausflügen oder spannenden Aktivitäten ist man oft der-/diejenige, die leider absagen muss. Zugegebenermaßen wird das hohe Maß an Verantwortung bestimmt das ein oder andere mal in Erschöpfung oder Verzweiflung enden, da man nicht alles, was einem das Auslandssemester bietet, wahrnehmen kann.

Doch die Gestaltung der gemeinsamen Freizeit und die Förderung der Beziehung zwischen Eltern und Kind lässt sich auch im Ausland prima umsetzen. Von gemeinsamen Ausflügen an an den Strand, kindergerechten Aktivitäten, an denen sich sowohl die Eltern als auch die Kinder erfreuen, bis hin zu Besichtigungen berühmter Sehenswürdigkeiten oder einem simplen Nachmittag auf dem Spielplatz – auch während eines Auslandssemesters können Eltern am Leben ihres Kindes teilhaben und voll und ganz miterleben, wie ihr Kind heranwächst.

Hilfe von außen annehmen:

Vor Antritt der Reise ist es ein absolutes Muss, den Aufenthalt im Ausland vorausschauend durchzuplanen und Anlaufstellen wie Kinderärzte oder Spiel- und Krabbelgruppen schon vorher ausfindig zu machen. Und die Unterstützung von Familien und Freunden, die man möglicherweise von zuhause gewohnt ist, wird es im Ausland in dem Maße wahrscheinlich nicht geben.

Jedoch ist es auch mit Kind im Ausland ein Leichtes, neue Leute kennenzulernen und Freundschaften zu schließen. Vor allem gleichaltrige Kinder können dazu beisteuern, Kontakt zu Einheimischen aufzubauen und neue Bekanntschaften zu schließen, die sich in der gleichen Situation befinden und die einem im Notfall Unterstützung, Verständnis und gegenseitige Hilfe entgegenbringen.

Eine fremde Sprache lernen:

Natürlich können am Anfang Komplikationen auftreten, wenn man die Landessprache nicht beherrscht – ob im Supermarkt, beim Arzt oder in der Universität. Gerade deshalb lohnt es sich, von angebotenen Sprachkursen der Universität Gebrauch zu machen.

Doch nicht nur man selbst sollte sich um Sprachkenntnisse bemühen; auch seinem Kind kann man bereits Grundkenntnisse beibringen. Dieses wird schließlich bei der Kinderbetreuung auch mit einer fremden Sprache konfrontiert. Hinzu kommt, dass es eine einmalige Gelegenheit ist, wenn das Kind bereits im jungen Alter eine andere Sprache lernt.

Informationen zur finanziellen Hilfestellung einholen

Viele Studenten haben oft das Gefühl, im Ausland auf sich alleine gestellt zu sein und auch in finanzieller Hinsicht keine Unterstützung zu bekommen. Damit liegen sie aber ziemlich daneben – denn finanzielle Unterstützung gibt es für studierende Eltern auch im Ausland reichlich.

Folgende Möglichkeiten können junge Eltern für die Finanzierung ihres Auslandsaufenthaltes beispielsweise in Anspruch nehmen:

  • Elterngeld – Wer einen Antrag auf Elterngeld stellen möchte, sollte seinen Wohnsitz in Deutschland nicht aufgeben. Nachweis darüber, dass man mit seinem Kind in einem Haushalt lebt und dass keine volle Erwerbstätigkeit ausgeübt wird, ist zudem notwendig.
  • Unterhaltsvorschuss – Sofern man ein unter 12 Jahre altes Kind mit ins Ausland nimmt und das Auslandssemester in einem Staat absolviert, für den das Abkommen des Europäischen Wirtschaftsraumes gilt, kann man für sein Kind Unterhaltsvorschuss nach dem deutschen UHVorschG beantragen. Das andere Elternteil muss in Deutschland leben und den Rechtsvorschriften unterliegen.
  • DAAD – Der Deutsche Akademische Austauschdienst fördert Austauschstudenten mit den verschiedensten Richtungen und Zielländern in Form von Stipendien und Teilstipendien. Für die Kinderbetreuung kann man beim DAAD einen Zuschlag von 150 Euro für ein Kind beantragen.
  • Kindergeld – Anspruch auf Kindergeld hat jeder, der über einen Wohnsitz in Deutschland hat, seinen gewöhnlichen Aufenthalt hier hat oder einkommenssteuerpflichtig ist. Um Kindergeld zu beziehen, ist der Nachweis eines nur vorübergehenden Auslandsaufenthaltes demnach sehr wichtig.
  • Erasmus+- Ein weiteres Förderprogramm für Reisende in der EU bietet Erasmus: Wer einen Nachweis über die Mehrkosten vorlegt, die durch die Mitnahme des Kindes ins Ausland entstanden sind, bekommt diese zurückerstattet. Hierbei ist allerdings auf Gründlichkeit des Verwendungsnachweises und ausführliche Belegnachweise zu achten.
  • Kinderbetreuungszuschlag beim BAföG Anspruch auf Auslands-Bafög hat man unabhängig davon, ob man in seiner Heimat Bafög beziehen darf oder nicht, solange man an der deutschen Hochschule eingeschrieben bleibt. Wer mit Kind ins Ausland geht, profitiert zudem von einem Zuschuss für die Kinderbetreuung; dieser liegt beim ersten Kind unter 10 Jahren bei 113 Euro, für jedes weitere Kind ergibt sich ein Kinderbetreuungszuschlag von 85 Euro.
  • Stipendien von Stiftungen – Inzwischen gibt es auch vielzählige Stiftungen, die jungen Eltern finanzielle Unterstützung in Form eines Stipendiums bieten. Hierzu zählt zum Beispiel die Bundesstiftung Mutter + Kind oder das Stipendiumprogramm für Eltern von Mawista, welches den Spagat zwischen Familie und Studium auch im Ausland unterstützt. Für solche Stipendien sollte man sich allerdings früh bewerben, denn die Fristen sind früh gesetzt und die Plätze begrenzt.

Selbstverständlich unterscheiden sich die Lebenshaltungskosten je nach Land, Wohnort und Lebensstandard erheblich. Allgemein lässt sich aber sagen, dass man sich und sein Kind auch im Ausland ausreichend versorgen kann, sofern man in Deutschland kein Problem mit dem Budget hatte.

Eine unglaubliche Erfahrung machen

Für den einen mag eine solch detaillierte und vorausschauende Planung unmöglich klingen. Der andere macht genau dies möglich und beweist neben Persönlichkeitsstärke auch den Mut, seinen beruflichen Werdegang zu fördern, Auslandserfahrungen zu sammeln und sich bereits auf den späteren Berufsalltag vorzubereiten. Der gemeinsame Aufenthalt im Ausland wird nicht nur für den Student eine Bereicherung darstellen, sondern auch für das Kind ein bleibendes Erlebnis werden. Man sollte sich immer wieder vor Augen führen, dass das Kind keine Beeinträchtigung, sondern vielmehr eine Bereicherung darstellt.

Man lernt, zwischen Kinderbetreuung und Gute-Nacht-Geschichten, eigener Wohnung und Hörsaal, Familienleben und Nebenjob zu pendeln. Man lernt, auch in kritischen Situationen ruhig zu bleiben, man baut eine unglaublich enge Beziehung zu seinem Kind auf, man lernt ein neues Land, eine Kultur, eine neue Sprache kennen. Nicht nur aus der eigenen Perspektive, sondern auch aus der Sicht des Kindes. Und ist es nicht beeindruckend, wenn man die Welt auch mal mit Kinderaugen sehen kann?

 

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Bildquellen

  • Mother and her daughter traveling: © Rafael Ben-Ari - Fotolia.com
  • Travel the world monuments concept: © sdecoret - Fotolia.com
  • Böbü: © Michael Schütze - fotolia.com
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